Die Goldene Yacht wurde, im Auftrag des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, 1678/79 in Kolberg für die kurbrandenburgische Flotte gebaut. Der Name nahm Bezug auf ihre prächtigen Verzierungen. Die Besatzung bestand aus zwölf Matrosen und das Schiff war mit acht Geschützen bewaffnet. Über den Einsatz der Yacht in der Kriegsflotte ist allerdings nichts bekannt. Sie war im Hafen von Pillau, später in Berlin und danach in Emden stationiert, wo sie schließlich auch abgewrackt wurde.
Die Staatsyacht wurde anlässlich der Landesgartenschau in Oranienburg im Jahre 2009 nachgebaut. Die Gartenschau stellte Louise Henriette von Nassau-Oranien, die erste Ehefrau des Großen Kurfürsten, in den Mittelpunkt. Zu ihrer Zeit war die Staatsyacht ein sehr beliebter Schiffstyp und diente vornehmlich repräsentativen Zwecken. Gleichzeitig zeugte der Nachbau von der großen „Sehnsucht“ des Großen Kurfürsten, Preußen als große europäische Seemacht zu etablieren.
Der Bau
Vom Bau der historischen Yacht existierten keine Unterlagen. Umfangreiche Studien und Recherchen in Museen und Fachliteraturen halfen, die Bauweise zu rekonstruieren. Gleichzeitig musste die Historie in Einklang mit den aktuellen Möglichkeiten gebracht werden. Dabei waren die Fähigkeiten der Mitarbeiter, die heutigen Verordnungen für eine technische Zulassung und ein späterer Verwendungszweck die entscheidenden Kriterien.
Auf dem Gelände der Werft Malz bauten zehn Langzeitarbeitslose verschiedener Berufsgruppen, ein Tischlermeister und ein Bootsbauer in weniger als 18 Monaten dieses Schiff. Die vergoldeten Figuren, einschließlich „Ross und Reiterin“ auf der Gallion, schuf ein Künstler aus Neuholland. Getauft wurde sie auf den Namen „Sehnsucht“.
Die Konstruktion
Die Länge der „Sehnsucht“ beträgt 18 Meter, die Breite 4,90 Meter. Der 16 Meter lange Kiel aus Eiche mit einem Querschnitt von 180 mm x 230 mm ist in der Länge zweimal geschafftet und nach traditioneller Art durch einen Zimmermannskeil verbunden. Der Vordersteven mit seinen Abmessungen von 180 x 500 x 4800 mm besteht ebenfalls aus Eiche und ist durch Zapfen und zusätzliche Bolzen mit dem Kiel verschraubt. Alle Spanten sind formverleimt aus Eiche und weisen einen durchgängigen Querschnitt von 80 mm x 80 mm auf. Für Kiel, Steven und Spanten wurden mehr als sieben Kubikmeter Eichenholz verarbeitet. Die Außenhaut besteht aus 30 mm starker sibirischer Lärche. Die extrem starken Krümmungen und Kurven des Schiffes erforderten ein Erhitzen der Planken. Untereinander sind die Planken verleimt und zusätzlich verschraubt. Die Bodenwrangen bestehen aus 30 mm massiver Eiche. Für die Bodenauflager und Decksbalken wurde Leimholz verwendet.
Besonders augenfällig ist das Deck aus 32 mm starker Oregon-Pinie, das traditionell als Stabdeck verlegt wurde. Das zwischen 500 und 700 mm breite, um das gesamte Schiff, laufende Band aus vergoldeten Ornamenten und Ranken einschließlich der acht aus goldenen Lorbeerkränzen bestehenden Kanonenöffnungen wurde im Maßstab 1 : 1 aufgezeichnet und von den Mitgliedern des Bauteams angefertigt. Blattgold war leider unbezahlbar und man griff auf Goldfarbe zurück. Der 14,5 Meter hohe Mast sowie alle Spieren sind aus Brandenburger Douglasien gefertigt. Ein 2,5 Meter hoher Maststuhl mit integrierter Seilwinde ermöglicht das Legen und Stellen des Mastes mit Bordmitteln. Dieser Stilbruch war neben dem Einbau der zwei Dieselmotoren und der hydraulischen Radsteuerung für den späteren Einsatz auf den Binnengewässern unbedingt erforderlich.
Der kurbrandenburgische Marineverein
Nach der Landesgartenschau wurde die Sehnsucht für einen symbolischen Betrag auf den Kurbrandenburgischen Marineverein übertragen. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, Rundtouren mit dem historischen Schiff zu organisieren und es Interessenten für Führungen zugänglich zu machen.
Die Sehnsucht liegt im Schlosshafen vor Anker. Mitglieder des Vereins sind von Mai bis Oktober an jedem Samstag ab 10 Uhr im Servicehafen an Bord und führen Interessenten nach Voranmeldung auch zu jedem anderem möglichen Termin über das Schiff.
Kontakt über:
Horst Schure - Vorsitzender
Tel.: 0172 3036278
Ulrich Russig - Bootsmann und zuständig für historische Fragen
Tel.: 0172 7304124 oder
ulrich.russig@vodafone.de