Im Jahre 1650 schenkte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm nach einem Ausritt Burg und Amt Bötzow seiner Frau, der Kurfürstin Louise Henriette. Sie war eine geborene Prinzessin von Nassau-Oranien und die Legende erzählt, die Landschaft habe sie sehr an ihre niederländische Heimat erinnert. Bereits im folgenden Jahr begann Johann Gregor Memhardt mit dem Umbau und der Erweiterung des Anwesens. Luises Oranienburg, wie das Wasserschloss fortan hieß, war ein Bau reinster holländischer Prägung.
Der angrenzende Lustgarten sollte so holländisch wie möglich aussehen. Er war durch eine Mauer begrenzt, es gab einen Blumen-, Baum- und Küchengarten, natürlich Alleen, Portale, Lustbögen und sogar eine Grotte. Obstbäume wurden aus den Niederlanden importiert. Es entstand ein Tiergarten, in dem Damwild lebte. In den neu angelegten Gräben schwammen Schwäne und Karpfen.
Leider starb die Kurfürstin schon mit 39 Jahren. Der Besitz ging an ihren Sohn über, der später zum ersten König von Preußen gekrönt wurde. Er ließ unermüdlich weiter bauen. Eine Einkaufsliste aus dem Jahre 1711 listete 200 Eiben, 200 Stechpalmen, 200 Linden, 500 Ulmen, 10.000 Rotbuchen (Heckenpflanzen), 500 Rosskastanien, 100 Stachelbeerbäumchen, 100 Johannisbeerbäumchen, je 250 Apfel-, Birnen – und Kirschbäume, je 100 Aprikosen- und Pfirsichbäume und 200 Lärchen auf. In seinem Tiergarten lebten über 1.100 Rehe und Hirsche aus der Gattung Damwild und ein Dutzend Wisente. Wasserkunst war das belebende Element im Schlosspark. Drei Hauptleitungen liefen zum Bassin im Lustgarten, zur Grotte und zur Schlossbrücke, speisten Fontänen, die Wasserorgel in der Grotte und eine Kaskade.
Der SoldatenkönigSein Sohn Friedrich Wilhelm, der Soldatenkönig, hasste die Verschwendungssucht des Vaters. Er entließ die Baumeister Schlüter und Eosander und verweigerte die zur Erhaltung Oranienburgs nötigen Mittel. Menagerie und Orangerie ließ er abreißen und die Baumaterialien versteigern. Teile der Grotte fanden im Garten des Kronprinzen in Neuruppin Verwendung; 5.000 Fuß Bleirohre, welche die Fontänen mit Wasser versorgt hatten, wurden ausgegraben und für die Wasserleitung in Stettin, sowie für den Garten der Königin Sophie Dorothea am Schloss Monbijou verwendet. Man sprach danach von einem „nunmehr gantz eingegangenen und ruinirten Garten“.
Erst 1740, nach der Krönung Friedrich II., berichten die Zeitungen: „Dieses ist auch gewiss, dass das Schloss und der Garten in Oranienburg wieder soll restaurieret und in seinen vorigen Lustre gesetzet werden.“ Anlass war schließlich die Hochzeit August Wilhelms, des Prinzen von Preußen. Er erhielt Schloss Oranienburg von seinem Bruder zum Geschenk. Die seit 1713 nicht mehr geschnittenen Buchenhecken waren zu dichten Alleen emporgewachsen. Der Prinz bemühte sich, der Verwilderung Einhalt zu gebieten und wiederherzustellen, was wiederherzustellen war.
Die Verwilderung
Mit dem frühen Tode des Prinzen, im Jahre 1758, endete die glanzvolle Zeit Oranienburgs. Der Garten verkam immer mehr, die Pflanzen litten unter Wildverbiss, die Brücken verfielen und die Gräben verödeten. 1801 legte der Hofmarschall Friedrich Wilhelm III. eine Denkschrift vor, in der der Zustand des angrenzenden Schlosses als so bedenklich beschrieben wurde, dass „man in einigen jahren wol nicht mehr wagen dürfte, hineinzugehen.“ So kaufte es schließlich ein Berliner Unternehmer, der hier eine Kattunweberei, später eine chemische Fabrik betrieb.
Von 1858-1860 wurde das Schloss als Lehrerseminar wieder hergerichtet. Gleichzeitig verfiel der Garten weiter. Der Seminardirektor ließ sogar etwa 150 der ältesten Bäume fällen. Später ließ man die Grotte abtragen und die Orangerie zur Turnhalle umbauen. Der Schlosspark war kaum noch den Namen wert. Der Teich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Schutt aufgefüllt, ein Teil des Areals für eine militärische Nutzung abgetrennt, ganze Flächen dienten als Parkplätze.
Der NeuanfangErst in den 80iger Jahren erfolgte eine gartendenkmalpflegerische Restaurierung. Sie war Ausgangspunkt für die Planungen der Landesgartenschau 2009, die mit 600.000 Besuchern außerordentlich erfolgreich war.
Schon in der Planungsphase war die Nachnutzung ein wichtiges Thema, denn eine Landesgartenschau ist ein temporäres Ereignis. Die Stadtverordneten gaben grünes Licht für die Weiterführung des Schlossparks als eintrittspflichtige Einrichtung. Der Umbruch gelang. Zwar kommen heute natürlich nicht mehr so viele Menschen wie während der Gartenschau, aber tausend an einem schönen Tag sind es allemal.