Im wirklichen Leben heißt die Kurfürstin Vivienne Netzeband und ist gelernte Schlosserin und Restaurantfachangestellte. Ihr Partner Axel Petersen hat gleich drei Berufe, ist Bürokaufmann, Garten- und Trockenbauer. Beide sind Angestellte im Schlosspark und vertreten ihn, prunkvoll kostümiert als Kurfürst und Kurfürstin, auf Veranstaltungen, Messen oder Festen: „Wir haben sehr viele Fragen zu beantworten, plaudern aber gern auch über Geschichtliches und unsere Stadt Oranienburg“, so Vivienne Netzeband. Das Leben ihrer großen historischen Vorbilder können sie natürlich mittlerweile fast im Schlaf erzählen:
Ohne die Gemahlin des Großen Kurfürsten, die holländische Prinzessin Louise Henriette von Oranien-Nassau, wäre Oranienburg das unbedeutende Dorf Bötzow geblieben. Sie war die älteste Tochter des Prinzen Heinrich von Oranien, Statthalter der niederländischen Provinzen. Am 7. Dezember 1646 heiratete sie Friedrich Wilhelm, den Kurfürsten von Brandenburg. Es war mehr als eine höfische Vernunftheirat; die beiden waren sich von Herzen zugetan. Von den fünf Söhnen und einer Tochter, die Louise Henriette bis zu ihrem frühen Tod (1667) zur Welt brachte, überlebte leider nur Friedrich, der spätere erste König in Preußen. Louise Henriette gehörte, wie der Kurfürst, der Reformierten Kirche Calvins an.
Seit März 1650 residierte das Paar in Berlin. Im gleichen Jahr übereignete der Kurfürst seiner Gemahlin das Schloss Bötzow, das sie 1652 in Oranienburg umbenannte. Auf Louises Initiative kamen holländische Spezialisten ins Land, die moderne Methoden in der brandenburgischen Landwirtschaft und dem Gartenbau einführten. Louise engagierte sich außerdem für die Benachteiligten. Ein Beispiel ist das vorbildlich geführte Waisenhaus in Oranienburg, das sie aus ihrer Privatschatulle finanzierte. Sie galt als tolerante Frau mit Augenmaß, Verantwortungsbewusstsein, war von praktischer Vernunft und lebensnaher Religiösität. Solange es ihre Gesundheit erlaubte, begleitete sie ihren Gemahl auf Reisen und Feldzügen. Ihr früher Tod war für Friedrich Wilhelm ein harter Schicksalsschlag.

Der Erfinder Preußens
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, ist quasi der Erfinder Preußens. Seine Maßnahmen trugen entscheidend dazu bei, das Kurfürstentum zu einem Staat umzuformen, der seinen Platz im Machtgefüge des 17. Jahrhunderts fand. Friedrich Wilhelm legte mit dem Aufbau seines stehenden Heeres und durch eine solide Steuerpolitik den Grundstein für das zukünftige Königreich. Zugleich holte er durch tolerante Haltung und kluge Siedlungspolitik Holländer und protestantische Franzosen in das durch den 30-jährigen Krieg verödete Land, die neue Techniken und Ideen in sein Herrschaftsgebiet mitbrachten.
Friedrich Wilhelm lebte als junger Prinz vier Jahre in der Republik der Vereinigten Niederlande am Hofe seines Großonkels und zukünftigen Schwiegervaters. Als 20-Jähriger stieg er nach dem Tod seines Vaters zum Kurfürsten von Brandenburg auf. In den folgenden Jahrzehnten standen seine Soldaten beinahe ständig im Krieg, zuerst gegen die Russen und Polen, später gegen den früheren Verbündeten Schweden. 1685, drei Jahre vor seinem Tod, erließ der Große Kurfürst, wie er mittlerweile genannt wurde, das Edikt von Potsdam, mit dem er französischen Hugenotten Asyl gewährte. In der Folge siedelten 20.000 Hugenotten nach Brandenburg-Preußen über. Sie und die holländischen Siedler trugen in den folgenden Jahren entscheidend zum Aufstieg des Landes bei.